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Platz- und Behandlungsbedarf in Kinder- und Jugendpsychiatrie wächst
LWL-Appell an Bundesgesundheitsministerin: KHRG-Entwurf nachbessern
Hamm (lwl). Bei den auf Bundes- und Länderebene laufenden Beratungen des Krankenhausfinanzierungsreform-
gesetzes (KHRG) müssen für den Bereich der psychiatrischen Krankenhäuser die Finanzierungsinstrumente zur Personalausstattung "dringend nachgebessert werden".
Das haben Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mit LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch an der Spitze von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt gefordert. Schmidt informierte sich am Mittwoch (19.11.08) bei einem Kurzbesuch in der LWL-Klinik Hamm unter anderem über die Situation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Bei dem KHRG-Regierungsentwurf sehe auch der LWL als größter Anbieter psychiatrischer Versorgungsleistungen in Westfalen-Lippe ebenso wie andere Träger und Fachverbände die Gefahr einer sinkenden Behandlungsqualität. So dürfe nach dem Entwurf etwa ein Arztgespräch nur noch 54 Minuten dauern. Psychiatriespezifische Angebote wie die Ergotherapie oder die Angehörigenberatung würden nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt gemacht werden können, monierten die LWL-Vertreter, unter ihnen George Zeich und Bärbel Bredenbach, Vorsitzender bzw. Vize-Vorsitzende des LWL-Gesundheits- und Krankenhausausschusses.
Die drei kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken des LWL in Hamm, Marl und Marsberg sind chronisch überbelegt, stellten die LWL-Vertreter der Ministerin weiter dar. Weil den LWL-Kliniken entgegen den Bedarfszahlen des Landes 49 Betten fehlen, landen psychisch kranke junge Menschen - akute Notfälle ausgenommen - wochenlang auf Wartelisten für die stationäre Behandlung. Gerade bei Kindern mit problematischem Familienhintergrund drohe die individuell wie auch gesundheitsökonomisch bedenkliche Chronifizierung von Erkrankungen, hieß es.
Die Fachwelt gehe übereinstimmend von einem weiter steigenden Bedarf an differenzierten Behandlungsmöglichkeiten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie aus. Fachkrankenhäuser mit entsprechenden Therapie-Schwerpunkten könnten dem fachlich effektiv und wirtschaftlich effizient am ehesten gerecht werden, erläuterte LWL-Krankenhausdezernentin Helga Schuhmann-Wessolek der Ministerin.
Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit 13.000 Beschäftigten für die 8,5 Millionen Menschen in der Region. Mit seinen 35 Förderschulen, 19 Krankenhäusern, 17 Museen und als einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung erfüllt der LWL Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, den ein Parlament mit 100 Mitgliedern aus den Kommunen kontrolliert.
Quelle: Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Foto: Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Eingestellt von Werner Tigges, 20. November 2008