Beratungszeiten

Mo – Fr 7:00 – 19:00 Uhr

Kostenlose Beratung

Digitalisierung im Gesundheitswesen – für Senioren nicht einfach

Facebook
Twitter
WhatsApp
Email
Drucken

Liebe Leserinnen und Leser!

Durch die Digitalisierung wurden bereits viele Bereiche in Wirtschaft, Beruf und Alltag verändert. Mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), der elektronischen Patientenakte (ePA), Videosprechstunden und seit dem 01.01.2024 auch durch die Gesundheits-ID und das E-Rezept kann davon gesprochen werden, dass die Digitalisierung nun auch das Gesundheitswesen erreicht hat.

Die Digitalisierungsmaßnahmen sollen für eine schnellere Kommunikation sorgen sowie Verwaltungsabläufe effizienter gestalten. Patientendaten, Untersuchungsergebnisse und medizinische Informationen sollen zur Optimierung von Behandlungen zu jeder Zeit und an jedem Ort auf Knopfdruck zur Verfügung stehen. Befinden sich alle benötigten Informationen an einem zentralen Ort, ermöglicht dies auch die schnellere und einfachere Erkennung von Krankheiten. Bei vielen Erkrankungen ist es wichtig, so früh wie möglich mit einer Behandlung zu beginnen. Dadurch, dass viele Anwendungen mobil per App gesteuert werden können, wird Patienten ein hohes Maß an Selbstbestimmung und Transparenz eingeräumt. Letztendlich soll die Digitalisierung im Gesundheitswesen dazu beitragen, Krankheiten früher zu erkennen, besser zu behandeln und damit auch schneller zu heilen.

Außerdem soll aus Umweltschutzgründen auf Papier verzichtet werden. Einen kräftigen Schub hat die Digitalisierung im Gesundheitswesen durch die Corona-Pandemie erhalten; bedingt durch Quarantäne und Überlastung.

Wie gehen Senioren mit den digitalen Veränderungen um?

Viele ältere Menschen kennen noch den „gelben Krankenschein“ oder haben über viele Jahre das „rosafarbene Rezept“ genutzt, um die wertgeschätzte Stamm-Apotheke mit den langjährig bekannten Mitarbeitern zu besuchen. Auch beim Hausarzt ist man bislang immer persönlich vorstellig geworden, nachdem per Telefon ein Termin mit der Sprechstundenhilfe vereinbart wurde. Im Wartezimmer sind Patienten oft auf bekannte Gesichter gestoßen, sodass man sich die Zeit fast immer mit netten Gesprächen vertreiben konnte.

Was sich ein wenig nach Kleinstadt-Idylle anhört, war für viele ältere Menschen über viele Jahrzehnte normaler Alltag. Sie fühlen sich häufig von der Digitalisierung überfordert und abgehängt. Denn auch, wenn es unglaublich klingt: Nicht jeder Senior über 60 besitzt ein Smartphone oder einen heimischen Internet-Zugang. Nach aktuellen Studien ist sogar jeder Fünfte über 60 Jahre sowohl mobil als auch zu Hause noch immer offline.

Sind Kinder vorhanden, übernimmt häufig der Nachwuchs, wenn Eltern oder Großeltern nicht mehr klarkommen. Auch werden in vielen Regionen Schulungen und Kurse angeboten, damit ältere Menschen den Umgang mit Handy, Tablet, Laptop und PC erlernen können. Ältere Menschen sind modernen Techniken gegenüber eher kritisch eingestellt. Es wird nur ungern online bestellt und noch weniger online bezahlt. Sie trauen sich da nicht ran, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen und Betrügern auf den Leim zu gehen.

Der Umgang von Senioren mit der Digitalisierung ist also häufig heikel und auch die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass der Umstieg von analog auf digital insbesondere für ältere Menschen ein Problem darstellt und Behörden, Krankenkassen, Versicherungen und Banken ihnen mehr entgegenkommen sollten. Insbesondere mit der Digitalisierung im Gesundheitswesen tun sich viele Senioren schwer, obwohl gerade die ältere Gesellschaft häufig zwingend darauf angewiesen ist. Bis keine Proteste mehr laut werden, sind wohl noch viele Hürden zu meistern.

Neu ab 2024 - Gesundheits-ID & E-Rezept

Seit dem 01.01.2024 gilt das elektronische Rezept als Standard für alle gesetzlich Versicherten und Arztpraxen müssen E-Rezepte ausstellen. Ärzte, die noch keine E-Rezepte ausstellen können, haben mit Honorarkürzungen zu rechnen. Wer verschreibungspflichtige Medikamente benötigt, kann sie nur noch per E-Rezept in der Apotheke einlösen.  

Das E-Rezept soll den Vorteil bringen, dass Folgerezepte digital ausgestellt werden können und dadurch der Arztbesuch entfällt. Die Rezept-App soll über Apotheken in der Nähe informieren und Bestell- und Liefermöglichkeiten von Arzneimitteln bereithalten. Auch nach Video-Sprechstunden können E-Rezepte übermittelt werden.  

Eingelöst werden kann das E-Rezept per elektronischer Gesundheitskarte, die in der Apotheke einfach in den Kartenleser gesteckt wird. Das E-Rezept kann alternativ in der App aufgerufen werden, wofür neben der App ebenfalls die elektronische Gesundheitskarte mit PIN erforderlich ist. Erhältlich sind E-Rezepte aber auch als Papierausdruck mit mehreren aufgedruckten Codes, die von der Apotheke dann eingelesen werden. Nur bei dieser Methode wird kein Smartphone benötigt, wobei dann aber auch die vorerwähnten Vorteile kaum greifen können.

Ebenfalls ab 01.01.2024 müssen Krankenkassen ihren Versicherten auf Wunsch kostenlos eine Gesundheits-ID als digitale Identität zur Verfügung stellen. Mit dieser Gesundheits-ID können sich Versicherte in ihre elektronische Patientenakte (ePA) einloggen und beispielsweise auch E-Rezepte laden. Über das Smartphone sind mit der Gesundheits-ID dann auch Aktionen mit digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA), Terminstellen oder Patientenportalen möglich. Ähnlich wie beim Onlinebanking wird die Gesundheits-ID durch eine strenge Authentifizierung gegen Missbrauch geschützt.

Die Vorteile der Digitalisierung des Gesundheitswesens zum Aufbau einer datenbasierten Medizin mit leichteren Abläufen liegen auf der Hand. Ob ältere Menschen ohne Handy und Internet auf Anhieb mit eGK, ePA, Gesundheits-ID, E-Rezept, DiGA und Telemedizin zurechtkommen, ist fraglich. Deshalb sollten nicht-technikaffine Senioren besser dabei unterstützt werden, wie sie mit den modernen Medien und Anwendungen umgehen können, damit sie letztendlich als vermutlich größte Zielgruppe auch davon profitieren.

Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie gesund!

Ihr Team von

CareWork & SHD