TÜV zertifiziert
Alles aus einer Hand: Beratung, Pflegekräfte, Kundenbetreuung
Hotline: 08000 - 180 100

© Werner Tigges, www.weti.de© Werner Tigges, www.weti.deBielefeld. Viele Deutsche fürchten sich davor, zum Pflegefall zu werden. Das hat eine aktuelle Studie des Allensbach-Instituts ergeben. Danach denkt bereits die Hälfte aller unter 30-Jährigen mit Grausen an eine Heimunterbringung im Alter. Vermutlich liegt das auch daran, dass es um das Image der Pflegeeinrichtungen schlecht bestellt ist. Eine Mehrheit (62 Prozent) hält die Seniorenheime für zu teuer und glaubt, dass es dort an geschultem Personal mangelt.

Auch der Medizinische Dienst der Kranken- und Pflegekassen (MdK) wird diese allgemeinen Bedenken nicht so leicht zerstreuen können. Seit dem 1. Juli dieses Jahres ist er gesetzlich verpflichtet, sukzessive alle 10.300 zugelassenen Heime in Deutschland zu überprüfen und nach einem komplizierten Kriterienkatalog zu benoten. Bis Ende 2010 sollen alle Einrichtungen den Check durchlaufen haben und die Ergebnisse im Internet auf der Seite www.pflegenoten.de abrufbar sein.


In der vergangenen Woche hat der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) einen Zwischenbericht zu den Ergebnissen für die ersten 1.057 Heime vorgelegt. Und siehe da: Fast 70 Prozent wurden mit „gut“ oder sogar mit „sehr gut“ bewertet - angeblich nur 1,1 Prozent der Heime sind „mangelhaft“.

Adelheid von Stösser, Vorsitzende des bundesweit tätigen Pflege-Selbsthilfeverbands, findet diese Ergebnisse absurd. „Das ist reine Volksverdummung“, sagt sie. Der Medizinische Dienst lenke mit seiner Benotung von den wahren Problemen in den Heimen ab und verteile „Beruhigungspillen“, denn er urteile nach einem technokratischen Bewertungsschlüssel, der die Lebensatmosphäre in den Senioreneinrichtungen überhaupt nicht erfasse. „Nach unseren Kriterien ist die Unterbringung in den meisten Heimen heute menschenunwürdig“, sagt Stösser.

Holger Berg, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen in Westfalen-Lippe, verteidigt den Notenschlüssel. Selbstverständlich gebe es in jedem Heim noch Verbesserungspotenziale, aber viele von ihnen seien „vom Ansatz her gut“. Die Gesamtnote eines jeden Heims werde aus insgesamt 62 verschiedenen „Berichtspunkten“ gebildet. Sie werden in den Bereichen „Pflege und medizinische Versorgung“, „Umgang mit Demenzkranken“, „Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“ sowie „Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene“ vergeben. Die Benotung werde „zur Identifikation der schlechten Heime“ führen, prophezeit Berg. Diese würden die Mängel entweder abstellen oder vom Markt verschwinden. Mit der Veröffentlichung im Internet schaffe man Transparenz, in Zukunft könne sich dort jeder im Detail informieren.

Etwa 485.000 pflegebedürftige Menschen gibt es derzeit in NRW, 2015 werden es bereits knapp 600.000 und im Jahr 2025 gut 700.000 sein. In NRW existieren derzeit etwa 2.000 Seniorenheime, in denen rund ein Drittel der Pflegebedürftigen untergebracht ist. Der Rest wird von ambulanten Diensten und/oder Familienangehörigen in den eigenen vier Wänden betreut.

Die NRW-Landesregierung hat im Dezember 2008 das sogenannte Wohn- und Teilhabegesetz verabschiedet. Auch danach soll nun jede Senioreneinrichtung von der Heimaufsicht unter die Lupe genommen und nach einem „Rahmenprüfkatalog“ bewertet werden. Die Heimaufsicht ist als Ordnungsbehörde bei den Kreisen und kreisfreien Städten angesiedelt und letztlich dem NRW-Gesundheitsministerium unterstellt. Gut möglich, dass die Prüfungen der Heimaufsichtsbehörden nun mit den Prüfungen und Noten des Medizinischen Dienstes kollidieren. Offiziell wollen die beiden Einrichtungen kooperieren und sich „absprechen“. Die Heimaufsicht sei „personell hoffnungslos überfordert“, um alle Seniorenheime intensiv zu prüfen und zu bewerten, meint MdK-Geschäftsführer Holger Berg. Das NRW-Gesundheitsministerium hingegen verweist darauf, dass die Prüfungen der Heimaufsicht „einfach und verlässlich“ seien und „zu einer Verbesserung der Pflege führen“.

Professor Wilhelm Frieling-Sonnenberg kann über solche kleinen Gefechte nur schmunzeln. „Das ist doch reine Augenwischerei. Bei allen Prüfungen geht es doch nur um die rechtliche Absicherung und nicht um die fachliche Verbesserung der Heime“, sagt er. Frieling-Sonnenberg lebt in Bielefeld, er hat an der Hochschule in Nordhausen (Thüringen) einen Lehrstuhl für Gerontologie. Der Wissenschaftler plädiert für die Abschaffung aller Altenheime. Denn sie seien ein Abstellgleis, auf dem der Lebenswille der alten Menschen geschwächt und in vielen Fällen sogar gebrochen werde.

Nach Angaben von Professor Klaus Dörner, dem profiliertesten Vertreter der Sozialpsychiatrie, führt der Einzug ins Pflegeheim dazu, dass binnen eines Jahres bis zu 30 Prozent der neuen Bewohner sterben. Dörner leitete von 1980 bis 1996 die Westfälische Klinik für Psychiatrie in Gütersloh. Er hat ein Buch mit dem Titel „Leben und sterben, wo ich hingehöre“ geschrieben - und für eine Schließung der Altenheime plädiert.

Psychiatrische Krankheitsbilder, aber auch das Ausmaß von Demenz verschlimmerten sich bei einer Heimunterbringung zwangsläufig, betont Frieling-Sonnenberg. Der Grund sei, dass die Menschen aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen würden. „Sie fühlen sich nicht mehr sicher und haben Angst.“ Deshalb sei in der Altenpflege „ein völliges Umdenken“ notwendig. Es müssten „Dienstleistungsnetzwerke“ geschaffen werden, damit auch Schwerstpflegebedürftige notfalls rund um die Uhr in ihren eigenen vier Wänden betreut werden könnten. Das sei auch finanziell günstiger als die teuren Heime. Sinnvolle Pflege-Netzwerke existierten beispielsweise schon in Bielefeld, sagt Frieling-Sonnenberg. Eine große Lobby, darunter Wohlfahrtsverbände und andere Heimträger, verhinderten allerdings die Debatte über alternative Strukturen.

Experten streiten darüber, ob pflegebedürftige Senioren gut versorgt oder vernachlässigt werden. Vor allem die Heime geraten dabei immer wieder in den Fokus. Manche Wissenschaftler halten Heime für überflüssig.
 
© Hubertus Gärtner
Erschienen am  17.10.2009 in der Neuen Westälischen
Bild: © Werner Tigges, www.weti.de

 

Kontakt

Für Deutschland:
  08000-180 100

(kostenlos, Mo-Fr 07:00 bis 19:00 Uhr)


Für andere Länder:
  +48 32 336 9060 (Polen)


  service@24stundenbetreut.com
  +49 (0)40 380 178 219 02 (Fax)
  Kontaktformular

 

 

© 2017 CareWork

  •  

    Fordern Sie hier ein unverbindliches Angebot für eine 24h-Betreuung an!

     

     Angebot anfordern

     

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.