Eine fachgerechte Wundversorgung im Pflegealltag ist ein entscheidendes Kriterium, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Pflegebedürftigen sicherzustellen. Sie reicht weit über das reine Wechseln eines Verbandes hinaus und erfordert Kenntnisse über die komplexen Prozesse der Wundheilung. Eine professionelle und sorgfältige Pflege der Wunde ist wichtig, um Infektionen vorzubeugen, die Genesung optimal zu fördern und damit maßgeblich auch zur Steigerung der Lebensqualität von Betroffenen beizutragen.
Gerade für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige selbst ist das Thema Wundversorgung von besonderer Bedeutung, da es den direkten Pflegealltag maßgeblich beeinflusst. Im häuslichen Umfeld sind es oft die Angehörigen, die die Verantwortung für die Wundpflege übernehmen. Ohne das nötige Fachwissen können kleinste Fehler schon zu Blutungen und schwerwiegenden Komplikationen führen, die nicht nur die Genesung verzögern, sondern auch Schmerzen und unnötiges Leid verursachen. Eine unsachgemäße Versorgung kann die Entstehung von Infektionen begünstigen, was im schlimmsten Fall zu einer Krankenhauseinweisung führen kann. Für Pflegebedürftige bedeutet eine fachgerechte Wundversorgung weniger Schmerzen, einen schnelleren Heilungsprozess und die Vermeidung von Folgeerkrankungen. Dies trägt maßgeblich zu ihrer Mobilität und ihrem allgemeinen Wohlbefinden bei, was wiederum die Lebensfreude entscheidend verbessert und die Abhängigkeit von medizinischen Einrichtungen verringert.
Das Wichtigste in Kürze
- Ziele der Wundversorgung: Im Fokus stehen Infektionsschutz, Heilungsförderung, funktionelle Wiederherstellung und die Steigerung der Lebensqualität.
- Wundtypen: Es wird zwischen akuten Wunden (heilen schnell) und chronischen, tiefen Wunden (bestehen länger als 4-12 Wochen) unterschieden. Chronische Wunden erfordern eine komplexere, ganzheitliche Behandlung.
- Behandlungsmethode: Die moderne Wundversorgung setzt auf die feuchte Wundbehandlung. Spezielle Wundauflagen wie Alginate, Hydrokolloide und Hydrogele schaffen ein ideales Heilungsmilieu und reduzieren Schmerzen.
- Rolle der Angehörigen: Angehörige können bei der Grundpflege, wie der Hautpflege und der Lagerung, unterstützen. Sie müssen jedoch Hygienevorschriften wie die Non-Touch-Technik und die Händedesinfektion strikt einhalten.
- Grenzen der Pflege: Die eigentliche Wundversorgung ist Behandlungspflege und darf in Deutschland nur von ausgebildeten Pflegefachkräften durchgeführt werden. Betreuungskräfte sind dazu nicht befugt und sollten bei Bedarf stets professionelle Hilfe hinzuziehen.
- Prophylaxe und Management: Vorbeugung ist essenziell. Dazu gehören Druckentlastung bei Dekubitus und ein konsequentes Monitoring des Heilungsverlaufs, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Grundlagen der Wundversorgung in der Pflege
Die fachgerechte Wundversorgung in der Pflege beruht auf vier Säulen: Infektionsschutz, Heilungsförderung, funktionelle Wiederherstellung und Steigerung der Lebensfreude.
Infektionen werden durch hygienische Maßnahmen wie Handdesinfektion, das Tragen von Einmalhandschuhen und sterile Materialverwendung vermieden. Die Heilungsförderung wird durch eine optimale Wundmilieusteuerung unterstützt, bei der die Wunde feucht gehalten wird. Die funktionelle Wiederherstellung zielt darauf ab, die ursprüngliche Funktion des betroffenen Körperteils wiederherzustellen oder zu erhalten, beispielsweise durch Übungen oder die richtige Positionierung von Patienten. Eine erfolgreiche Wundversorgung reduziert Belastungen und Ängste, was die Lebensfreude der Betroffenen deutlich verbessert.
Akute und chronische Wunden
Wunden werden grundsätzlich in zwei Kategorien unterteilt: akute und chronische Wunden.
- Akute Wunden mit Blutungen entstehen plötzlich, beispielsweise durch Schnitte, Schürfungen oder Verbrennungen. Sie heilen in der Regel innerhalb von wenigen Wochen ohne größere Komplikationen ab. Ihre Behandlung konzentriert sich darauf, Infektionen zu vermeiden und die natürlichen Heilungsprozesse zu unterstützen.
- Chronische Wunden sind Wunden, die trotz adäquater Therapie länger als vier bis zwölf Wochen bestehen. Beispiele hierfür sind Dekubitus (Druckgeschwüre), Ulcus cruris (offenes Bein) oder diabetische Fußulcera. Bei diesen Wunden sind die Heilungsprozesse gestört, oft aufgrund von Grunderkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen. Die Behandlung von Wunde und Wundrand ist komplexer und erfordert eine ganzheitliche Betrachtung der Ursachen, um eine Genesung zu ermöglichen.
Trockene oder feuchte Wundbehandlung?
Die moderne Wundversorgung hat sich von der trockenen Wundbehandlung verabschiedet, bei der Wunden mit Mullkompressen abgedeckt wurden, was oft zu Verklebungen und Schmerzen beim Verbandwechsel führte.
Die feuchte Wundbehandlung gilt heute als Goldstandard. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass eine Wunde in einem feuchten Milieu optimal heilt. Spezielle Wundauflagen wie Hydrokolloide, Hydrogele oder Alginate schaffen ein feuchtes, atmungsaktives Umfeld, das das Wachstum neuer Zellen fördert, Verkrustungen verhindert und Brennen beim Verbandwechsel reduziert. Dieses Milieu unterstützt die körpereigenen Mechanismen der Wundreinigung und fördert eine schnellere und narbenärmere Genesung.
Ziele der Wundversorgung
Die Ziele einer professionellen Wundversorgung sind eng miteinander verbunden und bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung.
- Infektionsschutz: Priorität hat die Prävention von Infektionen, da diese den Heilungsprozess massiv stören und zu ernsthaften Komplikationen führen können. Dies geschieht durch strenge Hygienemaßnahmen und die Wahl geeigneter antiseptischer Mittel.
- Heilungsförderung: Durch die Schaffung eines optimalen Wundmilieus und die Auswahl passender Wundauflagen werden die natürlichen Heilungsprozesse des Patienten aktiv unterstützt.
- Funktionelle Wiederherstellung: Ziel ist es, die Wunde so zu versorgen, dass die betroffene Person ihre körperlichen Funktionen wiedererlangen kann. Dies ist besonders bei Wunden an Gelenken oder Extremitäten wichtig.
- Lebensqualität: Eine erfolgreiche Wundversorgung reduziert nicht nur Schmerzen, sondern auch die psychische Belastung, die mit einer chronischen Wunde einhergeht. Eine heilende Wunde ermöglicht den Betroffenen, wieder aktiver am sozialen Leben teilzunehmen und gewinnt an Unabhängigkeit.
Material und Techniken – Auswahl nach Bedarf
Die moderne Wundversorgung ist kein Einheitskonzept, sondern orientiert sich flexibel am individuellen Zustand der Wunde. Die Wahl der richtigen Materialien und Techniken ist entscheidend für den Heilungserfolg.
Wundauflagen im Überblick
Wundauflagen werden je nach Wundtyp und Heilungsphase ausgewählt, um ein optimales Heilungsmilieu zu schaffen.
- Alginate: Diese Auflagen bestehen aus Braunalgenfasern und sind besonders saugfähig. Sie eignen sich hervorragend für stark nässende Wunden, da sie große Mengen an Wundsekret aufnehmen und zu einem Gel umwandeln können, das Keime und Bakterien bindet.
- Hydrokolloide: Diese Materialien enthalten Substanzen, die in Verbindung mit Wundsekret ein Gel bilden und eine feuchte Wundheilung ermöglichen. Sie schützen die Wunde vor äußeren Einflüssen und sind ideal für schwach bis mittelstark nässende Wunden.
- Hydrogele: Hydrogele haben einen hohen Wasseranteil und spenden trockenen Wunden viel Feuchtigkeit. Sie weichen verkrustetes Gewebe auf und unterstützen die Wundheilung. Sie eignen sich gut für trockene Wunden.
Spezielle Techniken und Behandlungen
Neben den klassischen Wundauflagen gibt es spezialisierte Techniken, die bei komplexen Wunden zum Einsatz kommen und eher von medizinischem Fachpersonal angewendet werden.
- Debridement: Dies bezeichnet die Entfernung von abgestorbenem oder infiziertem Gewebe aus einer Wunde. Ein Debridement kann mechanisch durch chirurgische Instrumente, autolytisch durch körpereigene Enzyme, enzymatisch durch Salben oder biologisch durch Fliegenlarven erfolgen. Es ist ein notwendiger Schritt, um die Wunde für die eigentliche Heilung vorzubereiten.
- Feuchte Wundbehandlung: Dieses Konzept ist heute der Goldstandard. Es beruht auf der Erkenntnis, dass eine Wunde in einem feuchten Milieu schneller heilt, da die Zellen wandern und sich vermehren können. Die Anwendung von Hydrogelen, Hydrokolloiden und Alginaten sind Beispiele für diese Methode.
- Vakuumtherapie (NPWT): Bei dieser Technik wird ein spezieller Schaum in die Wunde gelegt und mit einer Folie luftdicht verschlossen. Über einen Schlauch wird ein Unterdruck erzeugt, der Flüssigkeit aus der Wunde zieht und die Durchblutung sowie die Bildung von neuem Gewebe anregt. Diese Methode wird vor allem bei schwer heilenden, chronischen Wunden wie diabetischen Fußulcera oder Dekubitus angewendet. Pflegefachkräfte müssen vor Anwendung dieser Methode an Fortbildungen teilnehmen.
Die Auswahl der richtigen Materialien und Techniken erfolgt stets auf Basis einer professionellen Wunddiagnose. Eine kontinuierliche Beurteilung der Wundheilung ist notwendig, um die Therapie bei Bedarf anzupassen. Die Abstimmung mit einer medizinischen Fachkraft vom ambulanten Pflegedienst oder einem Wundexperten einer medizinischen Einrichtung ist dabei notwendig, um die bestmögliche Versorgung sicherzustellen.
Wundmanagement und Prophylaxe
Professionelles Wundmanagement und die dazugehörige Prophylaxe sind entscheidend, um die Heilung zu fördern und die Entstehung neuer Wunden zu verhindern. Sie basieren auf systematischen Prozessen und der Einhaltung von Standards.
Professionelles Wundmanagement
Ein effektives Wundmanagement beginnt mit einer umfassenden Anamnese und Dokumentation der Verletzungen. Hierbei werden die Krankengeschichte, die Lebensumstände und die Ernährung des Pflegebedürftigen erfasst. Eine detaillierte Dokumentation des Wundzustandes – einschließlich Größe, Tiefe, Farbe und Geruch – ermöglicht es, den Heilungsverlauf zu überwachen und die Behandlung bei Bedarf anzupassen.
Die Behandlung von schwer heilenden Wunden, wie einem Dekubitus oder einem diabetischen Fußsyndrom, erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise. Leitlinien und Hygienestandards stellen sicher, dass die Versorgung auf dem neuesten Stand der medizinischen Erkenntnisse erfolgt. Die Berücksichtigung von Qualitätsaspekten, wie die Auswahl geeigneter Wundauflagen, ist dabei enorm wichtig. Eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegekräften und Wundexperten ist entscheidend, um die zugrundeliegenden Ursachen zu behandeln und die Heilung zu fördern.
Prophylaxe
Die Prophylaxe (Vorbeugung) ist der wichtigste Teil des Wundmanagements, insbesondere bei Personen mit erhöhtem Risiko für die Entwicklung von Wunden. Dies gilt insbesondere für Menschen mit Dekubitus, also einem Druckgeschwür:
- Druckentlastung: Durch regelmäßige Lageveränderungen (alle 2-4 Stunden) oder den Einsatz von speziellen Anti-Dekubitus-Matratzen und -Kissen wird der Druck auf gefährdete Körperstellen wie Fersen, Steißbein oder Schulterblätter reduziert.
- Hautpflege: Die Haut wird durch sanfte Reinigung und pflegende Lotionen geschmeidig gehalten, um die Barrierefunktion zu stärken.
- Monitoring (Überwachung) des Heilungsverlaufs: Auch bei bestehenden Wunden ist die Prophylaxe notwendig, um die Entstehung weiterer Wunden zu verhindern. Die regelmäßige Begutachtung des Wundumfelds und des allgemeinen Hautzustandes ist dabei von größter Bedeutung. Ein konsequentes Monitoring ermöglicht es, frühzeitig Risikofaktoren zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Prophylaxe und aktives Wundmanagement gehen Hand in Hand. Die Vorbeugung neuer Wunden und die richtige Behandlung bestehender Wunden sind ausschlaggebend für die Gesundheit und Lebensfreude von Betroffenen.
Unterstützung durch CareWork & SHD
Wundversorgung ist eine Behandlungspflege, die laut deutschem Sozialgesetzbuch (SGB V) ausschließlich von examinierten Pflegefachkräften, also ausgebildeten Krankenschwestern oder Altenpflegern, vorgenommen werden darf. Die moderne Wundversorgung wird Fachkräften in verschiedenen Fortbildungen vermittelt. Betreuungskräfte in der 24-Stunden-Betreuung sind in der Regel nicht medizinisch ausgebildet und dürfen daher keine medizinischen Maßnahmen durchführen, die in den Bereich der Behandlungspflege fallen. Dazu gehören unter anderem das Reinigen, Desinfizieren und Verbinden von Wunden, das Anlegen von Kompressionsverbänden oder das Wechseln von Wäden.
Eine Ausnahme bildet die sogenannte Grundpflege, die Betreuungskräfte sehr wohl übernehmen dürfen. Dazu gehören einfache, nicht-medizinische Tätigkeiten, die die Körperpflege, Ernährung und Mobilität unterstützen. Im Bereich der Wundversorgung fallen darunter lediglich einfache Tätigkeiten wie das Anlegen eines Pflasters auf eine intakte Hautstelle nach einer kleinen Schürfwunde. Bei Wunden, die eine professionelle Begutachtung und Behandlung erfordern, muss zwingend eine medizinische Pflegekraft hinzugezogen werden. Für die häusliche Versorgung kommt die Hinzuziehung eines ambulanten Pflegedienstes in Betracht.
Dennoch kann eine 24-Stunden-Betreuung viel Unterstützung leisten, damit sich Pflegebedürftige und Angehörige auf Heilung und Genesung konzentrieren können. Informieren Sie sich jetzt bei der CareWork & SHD, durch welche Leistungen auch Sie entlastet werden können!







