Mehr Entlastung für pflegende Angehörige – Bericht vom Beirat liegt Ministerium vor

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on email
Email
Share on print
Drucken

Liebe Leserinnen und Leser,

pflegende Angehörige haben den Beinamen „größter Pflegedienst Deutschlands“ nicht umsonst, da Millionen Pflegebedürftige hierzulande von ihren Familienangehörigen betreut und gepflegt werden. Und naturgemäß ist es nicht immer einfach, Pflege, Arbeit und die eigene Familie unter den sprichwörtlichen Hut zu bringen. Um pflegende Angehörige etwas mehr zu entlasten, hat der unabhängige Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf dem Bundesfamilienministerium im August einen Bericht vorgelegt, der u.a. ein Familienpflegegeld und eine Familienpflegezeit beinhaltet.

Pflegezeit & Pflegegeld für pflegende Angehörige

Als Fachgremium empfiehlt der Beirat, die aktuellen gesetzlichen Regelungen stark zu vereinfachen. Zu diesem Zweck sollen mehr Möglichkeiten zur Freistellung eingeführt werden, damit pflegende Angehörige weniger arbeiten müssen oder bezahlt freigestellt werden können.

Der Bericht des Beirates enthält erstmals auch Vorschläge, wie das Familienpflegegeld im Rahmen einer Lohnersatzleistung, wie beispielsweise auch das Elterngeld, ausgestaltet werden soll. Von den rund 4,1 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden 3,31 Millionen, also etwa 80 %, zu Hause versorgt. Bei 2,33 Millionen erfolgen Versorgung und Pflege durch Angehörige. Der Expertenbeirat schlägt in seinem Bericht deshalb vor, die verschiedenen Gesetze für Pflegezeiten zusammenzuführen und die versprochenen Lohnersatzleistungen einzuführen.

Neue Pflegezeit mit Zeitrahmen von 36 Monaten

Nach den Vorstellungen des Beirates soll es für die Umsetzung der Maßnahmen einen Zeitrahmen von 36 Monaten geben. Pflegende Angehörige sollen sich danach für maximal sechs Monate ganz freistellen lassen können. Die restliche Zeit sollen sie von einer Teilfreistellung mit mindestens 15 Stunden pro Woche profitieren. Diese Regeln würden im Gegensatz zu den aktuellen Vorgaben, wonach maximal 24 Monate Pflegezeit mit Teilzeit in Anspruch genommen werden können, Vorteile bieten.

Das Gutachten des im Jahr 2015 zur Beratung des Bundesfamilienministeriums eingesetzten Beirates empfiehlt zudem eine Ausweitung des Kreises aus Anspruchsberechtigten: Konkret sollen mehrere Personen gleichzeitig sowohl das Familienpflegegeld beanspruchen und Pflegezeiten untereinander flexibel aufteilen können.

Geteilte Meinungen zum Bericht des Beirates

Das Bundesfamilienministerium beruft sich auf den Ampel-Koalitionsvertrag, wonach sowohl das Familien-Pflegezeitgesetz als auch das Pflegezeitgesetz weiterentwickelt werden sollen. Begrüßt wurde der Bericht des Beirates vom Deutschen Caritasverband, dessen Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa darauf hinwies, dass es höchste Zeit sei, der Situation von pflegenden Angehörigen mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Etwas kritischer äußerte sich die Deutsche Stiftung Patientenschutz, die vor zu hohen Erwartungen warnt. Nach Auskunft des Vorstandes Eugen Brysch gegenüber der KNA Nachrichtenagentur wurden gute Vorschläge schon oft durch Regierungskommissionen unterbreitet. Es hätte jedoch am politischen Willen zur Umsetzung gefehlt. Auch die aktuelle Familienpflegezeit wurde von ihm als Flop bezeichnet, da das Bewusstsein dafür fehle, dass nur ein kleiner Anteil aller pflegenden Angehörigen überhaupt berufstätig ist. Viele pflegende Angehörige würden sich bereits im Rentenalter befinden.

Der Sozialverband VdK hat im Mai eine Studie vorgelegt, wonach sich jeder Dritte pflegende Angehörige in Deutschland extrem belastet fühlt und Sorge hat, die Pflege nur noch unter Schwierigkeiten oder gar nicht mehr bewerkstelligen zu können. Die Studie sagt auch aus, dass die bestehenden Entlastungsangebote wie die Familienpflegezeit als zu gering, zu unübersichtlich und zu bürokratisch eingeschätzt und deshalb erst gar nicht angenommen werden würden.

Das Team von CareWork & SHD hofft dennoch, dass sich bei den pflegenden Angehörigen möglichst bald etwas verbessert. Mit Konzepten wie der 24 Stunden Betreuung oder auch der stundenweisen Betreuung können auch pflegende Angehörige Entlastung erfahren.

Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie gesund!

Ihr Team

von CareWork & SHD