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Placebo-Effekt – gibt es ihn wirklich?

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Liebe Leserinnen und Leser!

Wurde Ihnen in jungen Jahren auch schon einmal von Mutter oder Vater auf das aufgeschürfte Knie gepustet, um die Heilung zu beschleunigen? Dann haben auch Sie bereits Erfahrungen mit dem Placebo Effekt sammeln können, sofern das Pusten und gute Zureden geholfen hat.

Placebos sind Medikamente ohne Wirkung. Scheinmedikamente haben eine lange Tradition: Es heißt, dass sie ihre Wurzeln im Zweiten Weltkrieg haben. Während dieser Zeit behandelte der amerikanische Arzt Henry Beecher viele Verwundete in einem Feldlazarett. Da ihm das Morphium als wichtigstes Schmerzmittel ausging, verabreichte seine Krankenschwester einem Schwerverletzten einfache Kochsalzlösung vor einer Operation. Der Patient hatte trotzdem keine starken Schmerzen, sodass dieser Vorgang aufgrund der herrschenden Not und Arzneimittelknappheit mit gleichem Ergebnis wiederholt wurde. Von diesem Phänomen in den Bann gezogen widmete sich Henry Beecher nach dem Krieg der ersten Placebo-Forschung und veröffentlichte den heute noch als bahnbrechend betrachteten Aufsatz „The Powerful Placebo“.

Der Placebo-Effekt

Noch heute wird am Placebo-Effekt geforscht, der darin besteht, dass nach Verabreichung einer Arznei oder Durchführung einer Therapie die erwünschte körperliche oder psychische Reaktion erfolgt, was aber nicht auf im Medikament enthaltene Wirkstoffe oder spezifische Wirkprinzip einer Therapie zurückgeführt werden kann.

Die Schmerzforschung der Universität Hamburg kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen 20 % bis 90 % aller Studienteilnehmer auf Placebos ansprechen. Sie empfinden trotz wirkstofffreier Arzneien eine Schmerzlinderung. Aber auch auf anderen Gebieten konnte der Erfolg von Placebos nachgewiesen werden. Zuckerpillen gegen Depressionen oder nicht in den Körper eindringende Akupunkturnadeln, die trotzdem die Schmerzen im Knie lindern, werden heute nicht mehr automatisch als Hokuspokus oder Humbug abgetan. Heute widmen sich zahlreiche Forscher der geheimnisvollen Wirksamkeit von eigentlich wirkungslosen Arzneien und Therapien.

Keine Einbildung - sondern psychische Mechanismen

Sie kennen bestimmt das Sprichwort, dass „Glaube Berge versetzen kann“. Und ein wenig kann der Placebo-Effekt auch dadurch beschrieben werden.

Scheinmedikamente können wirken, wenn die Erwartungshaltung des Patienten positiv ist. Menschen, die eine positive Wirkung manifestieren, werden diese auch eher erhalten. Dieses Phänomen gilt sowohl für Placebos als auch für klassische Medikamente. Einen wesentlichen Einfluss auf diese positive Wirksamkeitserwartung haben eine Erläuterung des Arztes sowie eine ordnungsgemäße Verschreibung des Arzneimittels.

Auch spielen Erfahrungen, die in der Vergangenheit mit Arzneimitteln gemacht wurden, in den Placebo-Effekt hinein. Hat beispielsweise ein echtes Schmerzmittel in der Vergangenheit zuverlässig Schmerzen gelindert, wird unbewusst davon ausgegangen, dass ein Medikament auch in der Gegenwart wieder helfen kann. Dieser Reflex wirkt sich auch dann aus, wenn ein Placebo eingenommen wird.

Schließlich kommt es auch noch auf Form, Farbe, Größe und Preis des Placebos an. Farben wie Rot entwickeln eine stimulierende Wirkung, während blaue Arzneimittel psychisch eher zur Beruhigung beitragen. Interessant ist, dass die Wirkung von Placebos steigt, wenn von einem „teuren“ Medikament ausgegangen wurde. Preisgünstigen oder „billigen“ Medikamenten wird danach wohl weniger Wirkung zugeschrieben.

Placebo-Effekt auch körperlich nachgewiesen

Die Wissenschaftler an der Universität Hamburg konnten den Placebo Effekt in der Schmerztherapie nachweisen. In einer Studie wurde durch die Gabe von Placebos die biochemische Schmerzwahrnehmung im Gehirn beeinflusst, was durch MRT-Bilder dokumentiert werden konnte.

Drei Regionen des Gehirns spielen bei der körpereigenen Schmerzhemmung eine Rolle, in denen auch Opiate, Opioide und andere echte Schmerzmedikamente ihre Wirkung entfalten. Beteiligt sind hieran Endorphine als selbst ausgeschüttete (morphiumartige) Substanzen. Es wird davon ausgegangen, dass Placebos eine Ausschüttung von Endorphinen auslösen können, was mit einem schmerzlindernden Effekt einhergeht.

Keine Magie – sondern Manifestationskraft und Empathie

Niemand läuft Gefahr, dass man heimlich von seinem Arzt ein Placebo verschrieben bekommt. Ärzte sind moralisch und rechtlich verpflichtet, Patienten über Therapien und Arzneimittel detailliert aufzuklären. Dennoch können sie sich schon hier den Placebo-Effekt zunutze machen: Eine Therapie kann erfolgreicher sein, wenn sie vom behandelnden Arzt einfühlsam und empathisch erklärt wird. Fühlen sich Patienten mit ihren Ängsten und Fragen ernst genommen, schöpfen sie neuen Mut. Diese Ermutigung wirkt sich wiederum auf das Gehirn und das Unterbewusstsein aus, was dem heilungsfördernden Placebo-Effekt gleichkommt.

Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie optimistisch!

Ihr Team von

CareWork & SHD