Scham in der Pflege – Was tun?

Scham in der Pflege

Sowohl bei pflegebedürftigen Menschen als auch bei pflegenden Angehörigen können bestimmte Situationen im Pflegealltag Schamgefühle auslösen. Scham ist unangenehm, aber ganz normal. Dennoch können Schamgefühle belasten. Insbesondere bei Menschen mit Demenz kehren sich die Verhältnisse zwischen Eltern und Kindern im Verlauf der Erkrankung um. Während sich früher die Eltern um die Kinder gekümmert haben, pflegen und versorgen Kinder später häufig Elternteile aufgrund der Demenz. Diese ungewohnte Situation ruft regelmäßig bei allen Beteiligten Schamgefühle hervor. Scham in der Pflege kann nicht immer vermieden werden. Dennoch gibt es hilfreiche Tipps und Tricks, wie offen damit umgegangen werden kann.

In welchen Situationen können Schamgefühle in der Pflege entstehen?

Scham gehört zu den unangenehmen Gefühlen. Sie entsteht dann, wenn sich jemand in einer bestimmten Situation missverstanden, herabgewürdigt, in Verlegenheit gebracht oder aber ertappt fühlt. Scham wird von jedem Menschen anders empfunden. Einige Menschen empfinden Gegebenheiten als beschämend, die anderen völlig egal sind. Das Schamempfinden hängt von der Erziehung, von Erfahrungen und nicht zuletzt von den eigenen Wert- und Moralvorstellungen ab. Oft greifen wir in diesem Bereich auf das zurück, was uns im Kindesalter beigebracht wurde. Diese anerzogenen Hygiene– und Verhaltensregeln sitzen tief und begleiten uns auch noch im Erwachsenenalter. Es beispielsweise nicht verhindern zu können, dass andere in die eigene Intimsphäre eindringen, kann beim Großteil aller Menschen Scham auslösen.

In vielen Pflegebereichen lässt sich dies aber nicht umgehen. Es ist möglich, dass Schamgefühle durch Gewöhnung an die Pflegeroutinen und den Fortschritt einer Krankheit abnehmen. Ganz verhindert werden können sie in der Pflege jedoch nicht. Die Hilfe bei Toilettengängen, Hygienemaßnahmen oder die Inkontinenzversorgung werden als intimste Tätigkeiten wahrgenommen, die von Scham begleitet werden. Pflegebedürftige Menschen schämen sich dann, weil sie ihre Unabhängigkeit eingebüßt haben, zunehmend gebrechlich sind oder befürchten, anderen zur Last zu fallen.

Es gibt verschiedene Umstände, bei denen Scham entstehen kann:

  • bei Überschreitung der Intimsphäre, wenn Betroffene sich nackt zeigen oder über intimste Dinge informieren müssen
  • beim Erfahren von fehlender Anerkennung, Geringschätzung oder Ablehnung
  • bei dem Gefühl, dass man die eigenen Erwartungen an sich selbst nicht (mehr) erfüllen kann

Der Pflegealltag ist mit zusätzlichen Situationen verbunden, die Schamgefühle mit sich bringen können. So empfinden viele Menschen die Nacktheit bei Hygienemaßnahmen oder Hilfe bei der Körperpflege als Demütigung oder schämen sich ihrer allgemeinen Gebrechlichkeit. Anzeichen für Schamgefühle kommen im Pflegebereich insbesondere in neuen und damit ungewohnten Lagen vor – und zwar auf beiden Seiten.

Schamgefühle bei Pflegebedürftigen

Scham in der Pflege entsteht insbesondere dann, wenn für Betroffene die individuellen Vorstellungen im Bereich der Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit und Menschenwürde berührt oder überschritten werden. Pflegebedürftige schämen sich, wenn sie ihre Fähigkeiten verlieren und deshalb zunehmend von der Pflege durch andere abhängig werden. Sie haben das Gefühl, dass sie anderen Menschen zur Last fallen. Sofern sie Unterstützung beim Toilettengang benötigen, eine Inkontinenzversorgung durchgeführt werden muss oder Wunden zu versorgen sind, befürchten Pflegebedürftige oft, dass pflegende Menschen dabei Ekel empfinden könnten.

Schamgefühle bei pflegenden Angehörigen

Pflegende Familienmitglieder zeigen Anzeichen von Scham, wenn sie ihre zunehmend kranken und pflegebedürftigen Familienmitglieder hilflos sehen und in der Pflegeroutine in ihren Intimbereich eindringen müssen. Bei der Pflege von Elternteilen kommt es häufig zu einer Umkehr im Familiengefüge. Die früher unabhängigen und selbstständigen Eltern sind plötzlich pflegebedürftig. Hilfsbedürftige Elternteile auf die Toilette zu bringen oder für Hygiene im Intimbereich zu sorgen, ist für Angehörige eine große Herausforderung.

Sie empfinden aber auch dann Scham, wenn sie die Pflegeaufgaben eigentlich gar nicht leisten wollen, sich als unzureichend einschätzen und von der ganzen Situation überfordert sind. Sie fühlen sich der Pflege vielleicht nicht gewachsen. Bei pflegenden Angehörigen kann es auch zu Fremdscham kommen, wenn sich zum Beispiel ein dementes Familienmitglied "daneben" benimmt. Schamgefühle können sich beidseitig auf die persönlichen Beziehungen auswirken.

Die Folgen von Scham

Schamgefühle können alle Beteiligen in der häuslichen Pflege belasten. Scham kann dazu führen, dass Pflegebedürftige weniger Motivation und Lebensfreude verspüren. Fühlen sich pflegebedürftige Menschen dauerhaft unwohl mit den aktuellen Gegebenheiten, können sie ihren Lebensmut sogar ganz verlieren. Zu den Folgen hiervon zählen soziale Rückzüge und Vereinsamung.

Pflegepersonen werden durch das Gefühl belastet, dass sie bestimmte Grenzen überschritten oder etwas falsch gemacht haben. Gefühle wie Scham und Ekel können dazu führen, dass Pflegeaufgaben nur widerwillig ausgeübt werden. Diese negativen Emotionen können sich dann auch auf den pflegebedürftigen Menschen als Person ausweiten.

Die etablierten Schamgrenzen verändern sich mit der Zeit. Im Laufe der Pflege beginnen sowohl Pflegebedürftige als auch Familienangehörige damit, sich an die neue Pflegesituation zu gewöhnen. Fremdes und Neuartiges in der Pflege fühlt sich von Mal zu Mal vertrauter an, was sich positiv auf die persönliche Beziehung auswirken kann.

Tipps & Tricks für den Umgang mit Schamgefühlen

Auch beim unangenehmen Thema Scham ist es hilfreich, offen darüber zu sprechen. Wer sich gezielt darüber unterhält, welche Hilfe und Unterstützung als unangenehm empfunden wird, kann sich darauf einstellen. Gleiches gilt natürlich für Hilfeleistungen, die gerne angenommen werden. Pflegende Familienmitglieder sollten den Mut haben, auszusprechen, wozu sie in der Lage sind und wozu eben nicht . Gemeinsam können häufig Wege gefunden werden, die allen Beteiligten die Situation erleichtern. Manchmal ist es auch für alle sinnvoller, verschiedene Pflegeaufgaben beim Patienten von einem ambulanten Pflegedienst durchführen zu lassen, eine Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen oder sich durch eine stundenweise Betreuung zumindest kurzfristig von Pflegeaufgaben zu befreien.

Für den Umgang mit Schamgefühlen gelten in der Pflege generell Empfehlungen wie

  • die aktive Einbindung von Pflegebedürftigen in die Pflege, um das Selbstwertgefühl zu erhalten und Schamgefühle zu umgehen
  • die Beachtung und Beibehaltung von Gewohnheiten im Rhythmus und in der Geschwindigkeit von Pflegebedürftigen, um die Situation generell zu erleichtern
  • das Führen von auflockernden Gesprächen während der Pflegerituale, damit das Schamgefühl umgangen werden kann
  • eine freundliche und zugewandte Haltung bei der Durchführung notwendiger Pflegemaßnahmen, um die Situation zu entspannen
  • eine achtsame und würdevolle Pflege mit kleinen Maßnahmen zur Steigerung des Wohlgefühls; beispielsweise durch das teilweise Entkleiden für die Ganzkörperwäsche zur Vermeidung der kompletten Nacktheit

Pflegepersonen stehen ebenfalls unter einem stetigen Druck, der Scham hervorrufen kann. Deshalb sollten sich auch Pflegende ausreichend Zeit für sich selbst nehmen, soziale Kontakte pflegen oder sich mit anderen in der Gruppe austauschen. Werden Schamgefühle erkannt und verstanden, ist dies der erste Schritt, wie mit ihnen umgegangen und wie sie überwunden werden können.

Fazit

Schamgefühle lassen sich im Pflegebereich nie ganz umgehen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, optimal mit schambesetzten Situationen umzugehen oder den mit Scham verbundenen Belastungen vorzubeugen. Für den Pflegealltag ist es für pflegende Angehörige beispielsweise wichtig, sich möglichst früh in die speziellen pflegerischen Handgriffe einzuarbeiten. Diese werden beispielsweise in Pflegekursen vermittelt.

Manchmal stoßen Angehörige bei der Pflege jedoch an ihre Grenzen; auch was Schamgefühle betrifft. Wenn negative Emotionen zwischen Familienangehörigen dazu führen, dass die Beziehung zueinander darunter leidet, sollte die Pflegearbeit anderen überlassen werden. Im Gegensatz zur persönlichen Verbindung innerhalb der Familie sind zwischen Patienten und Pflege- und Betreuungskräften die Verhältnisse klar definiert. Wegen dieser Distanz und der entsprechenden Ausbildung fällt es Betreuungs- und Pflegekräften deutlich leichter, mit schambesetzten Situationen umzugehen. So sind beispielsweise auch die Betreuungskräfte von CareWork & SHD in der 24 Stunden Betreuung geschult, wie Schamgefühle auf ein Minimum reduziert werden können.

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