Schlafstörungen im Alter bitte nicht unterschätzen

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6. November 2023

Liebe Leserinnen und Leser!

Viele ältere Menschen ab einem Alter von 60 Jahren leiden unter Schlafstörungen. Neben den Betroffenen selbst und ihren Angehörigen müssen sich auch Pflegekräfte dieser Herausforderung stellen. Leider werden Schlafstörungen häufig noch immer als „normal“ hingenommen, obwohl sie schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität von Betroffenen haben können.

Von einer Schlafstörung wird ausgegangen, wenn über mindestens einen Monat hinweg in mehr als drei Nächten in der Woche schlecht geschlafen wird und sich am Tag Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme bemerkbar machen.

 

Schlafstörungen können krankhaft sein

Sobald Schlafstörungen anhaltend und dauerhaft auftreten, werden sie als ernstzunehmende Krankheit betrachtet. Dies gilt insbesondere bei Senioren, bei denen sie vermehrt als Begleiterkrankung zu Parkinson oder Depressionen auftreten, aber auch für chronisch Kranke. In beiden Fällen wird zur Verharmlosung und Vernachlässigung von Schlafstörungen tendiert, da der Fokus auf anderen bestehenden Gesundheitsproblemen gelegt wird. Schlafstörungen können aber bereits bestehende Erkrankungen verstärken und den Abbau der Leistungsfähigkeit weiter beschleunigen. Die Beweglichkeit von älteren Menschen lässt durch Schlafprobleme nach, weshalb sie weniger körperlichen Aktivitäten nachgehen und häufiger stürzen, was wiederum zu Problemen führt. Betroffene Senioren nehmen seltener am Sozialleben mit Angehörigen teil und verlieren an Lebensqualität.

 

Zu wenig körperliche und geistige Aktivität

Zu den Ursachen für Schlafprobleme bei Senioren gehören mangelnde geistige Beschäftigung und fehlende körperliche Bewegung. Menschen mit Schlafstörungen entwickeln selbst wenig Initiative, ihren Alltag abwechslungsreich zu gestalten. Sie zeigen sich kontaktarm und können sich schlecht selbst beschäftigen, was schnell als Ruhebedürfnis aufgefasst werden kann. Dies führt dazu, dass Betroffene eher in Ruhe gelassen werden, statt sie zu motivieren. Dieser Teufelskreis kann Schlafstörungen im Alter noch verstärken.

Werden Schlafstörungen diagnostiziert, werden schnell Schlafmittel verschrieben, was ebenfalls zu Problemen führen kann. Ältere Menschen müssen in der Regel schon viele Medikamente einnehmen. Dies muss bei der zusätzlichen Verabreichung von Schlafmitteln berücksichtigt werden. Wichtig für Senioren ist eine klare Trennung zwischen Tageszeit und Nachtzeit, weshalb Schlafmedikamente zeitlich kontrolliert eingenommen werden sollten. In der Nacht bedarf es einer Routine aus Ruhe und Dunkelheit, um einen erholsamen Schlaf zu begünstigen. Dafür sollten die Nächte aber nicht zu lang sein, damit sich keine negativen Schlafgewohnheiten entwickeln können. Am Tag sollten sich ältere Menschen dafür viel im natürlichen Tageslicht aufhalten. Nur durch Bewegung und Aktivitäten am Tag kann für ausreichend Müdigkeit in der Nacht gesorgt werden. Bei Bestehen von Schlafstörungen sollte deshalb auch das Schlafen am Tag vermieden werden, damit der Nachtschlaf nicht beeinträchtigt wird.

 

Es gibt nicht „die“ Schlafstörung

Um in Pflege und Alltag besser mit Schlafstörungen umgehen zu können, bedarf es einer genauen Identifizierung. Es gibt verschiedene Arten von Schlafstörungen, die vom behandelnden Arzt diagnostiziert und therapiert werden sollten:

  • Insomnien – Probleme beim Einschlafen, Probleme beim Durchschlafen, vorzeitiges Aufwachen
  • Hypersomnie – übermäßiges oder zu langes Schlafen
  • Parasomnien – Zähneknirschen, Albträume, Schlafwandeln

 

Was hilft gegen Schlafstörungen?

Wie schon erwähnt sollte eine klare Trennung zwischen Tag und Nacht erfolgen. In der Schlafrestriktion wird der Tagschlaf eingeschränkt und auch beim Nachtschlaf darauf geachtet, dass dieser nicht zu lang andauert. Unterstützt wird ein gesunder Schlafrhythmus durch körperliche Bewegung, geistige Aktivität und viel Tageslicht.

Neben festen Schlafenszeiten kann es auch helfen, die Schlafumgebung angenehm zu gestalten. Im Bereich der Psychotherapie werden auch Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation gegen Schlafstörungen eingesetzt.

 

Psychopharmaka können problematisch sein

Die Behandlung von Schlafstörungen erfolgt oft mittels Benzodiazepine, also über Schlafmittel. Gerade alte Menschen nehmen diese Schlafmittel aber oft über Monate und Jahre. Bei vielen Psychopharmaka besteht die Gefahr einer Abhängigkeit. Darüber hinaus sind die Medikamente nicht selten mit Nebenwirkungen wie Tagesmüdigkeit, Gedächtnisprobleme oder Konzentrationsstörungen verbunden. Des Weiteren nimmt die Wirkung von Schlafmitteln mit der Zeit ab, sodass eine höhere Dosis erforderlich wird.

Beim abrupten Absetzen von Benzodiazepinen kann es zu Entzugserscheinungen kommen. Ähnliche Probleme können auch bei alternativen Substanzen wie Zolpidem oder Zopiclon entstehen. Andere Medikamente, die zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt werden und nicht zu einer Abhängigkeit führen, sind niedrig dosierte Neuroleptika und beruhigende Antidepressiva.

 

Es müssen nicht immer Schlafmittel sein

Stress ist ein Schlafkiller und auch viele ältere Menschen leiden unter Stress. Hier können die bereits angesprochenen Aktivitäten, Bewegungen und Entspannungsverfahren dabei helfen, Stress abzubauen. Ein müder Körper und müder Geist findet besser in den Schlaf.

Neben der Schlafhygiene mit festen Zeiten, einer dunklen und leisen Umgebung sollte auch darauf geachtet werden, dass das Schlafzimmer nicht zu warm geheizt wird. Empfohlen werden Raumtemperaturen zwischen 16 und 18 Grad Celsius. Trotz des verhältnismäßig kühlen Raumes sollten dennoch immer die Füße warmgehalten werden – notfalls mit Socken. Mit kalten Füßen lässt sich schlecht einschlafen.

Vor dem Zubettgehen sollte auf Alkohol und Bildschirmnutzung verzichtet werden. Naturprodukte wie Baldrian, Hopfen und Melisse haben eine beruhigende Wirkung, die als Tee den Schlaf fördern. Und auch das berühmte Hausmittel der „heißen Milch mit Honig“ hat durchaus seine Daseinsberechtigung: Heiße Milch mit Honig hat den Effekt, dass Tryptophan als Aminosäure in das Gehirn gelangt und dann in das Entspannungshormon Serotonin umgewandelt wird. In der Dunkelheit entwickelt sich daraus Melatonin, was gegen Schlafstörungen wirkt. Nicht ohne Grund ist das Hausmittel ein beliebtes Getränk vor dem Schlafengehen.

Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie gesund!

Ihr Team von

CareWork & SHD

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