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Was hilft gegen fehlende Pflegeplätze und Wohnungsnot?

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Liebe Leserinnen und Leser!

Im Dezember letzten Jahres hat das Statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung eine Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2035 veröffentlicht. Darin wird davon ausgegangen, dass die Anzahl der Menschen im Rentenalter über 67 Jahre in den 2020er und 2030er nochmals massiv ansteigen wird. Prognostiziert wird, dass die Zahl der Senioren bis Mitte der 2030 von 4 Millionen auf mindestens 20 Millionen ansteigen wird. Auch die Anzahl der Hochaltrigen und Pflegebedürftigen wird damit stark ansteigen, was die Diskussionen rund um Pflege und Betreuung weiter anheizt.

Obwohl diese Entwicklungen nicht erst seit gestern bekannt sind, wird noch immer zu wenig für alte und kranke Menschen getan. Die Planungen rund um die Erschaffung von barrierefreiem Wohnraum, Senioren-WGs oder Pflege- und Betreuungseinrichtungen sind löblich, werden jedoch nicht ausreichen.

Nur 2 % der Wohnungen und Häuser in Deutschland sind barrierefrei

Der Wohnungsnotstand spitzt sich in allen Bereichen zu. Senioren, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen sind jedoch besonders betroffen. Das Angebot ist knapp und wenn denn mal eine barrierefreie Wohnung zu haben ist, ist sie kaum bezahlbar. Das Bündnis Soziales Wohnen hat die Anzahl der 2023 fehlenden Wohnungen mit 700.000 beziffert.

Passiert jetzt nichts, wird sich die Situation noch verschlechtern. Nach einer Untersuchung der Aktion Mensch fehlen rund 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen. Die Schätzungen gehen davon aus, dass der Bedarf bis 2035 auf mehr als  3,7 Millionen barrierearme Wohnungen oder Häuser ansteigen wird. Es muss mehr im sozialen Wohnungsbau geschehen, beispielsweise durch Förderprogramme oder innovative Wohnkonzepte.

 

Unterstützung in der eigenen Häuslichkeit

An barrierefreien Wohnungen und Pflegeplätzen herrscht ein Mangel, der nicht so schnell behoben werden kann. Ziel muss es also gleichzeitig auch sein, ältere und kranke Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen Wohnungen oder Häusern wohnen zu lassen. Dies gilt auch dann, wenn dort ambulant gepflegt werden muss. Denn die Alternative hierzu ist wiederum der Umzug in ein Pflegeheim mit dem bekannten Platzproblem. In ein Pflegeheim umziehen wollen die wenigsten, weshalb mehr Unterstützung für altersgerechte Umbauten notwendig ist.

Im Vergleich zur stationären Pflege in einem Pflegeheim rechnet sich ein Investment in altersgerechte Sanierungen auch wirtschaftlich. Im Vergleich zur ambulanten Pflege im eigenen zu Hause kostet die stationäre Unterbringung im Heim durchschnittlich 7.200 € pro Jahr mehr. Werden diese Kosten mit den Sanierungs- bzw. Umbaukosten für barrierefreies bzw. altengerechtes Wohnen verglichen, geht die Rechnung eigentlich schnell auf. Das Bundesbauministerium rechnet selbst mit durchschnittlichen Kosten für einen barrierefreien Umbau in Höhe von 15.600 €. Auch aus rein wirtschaftlicher Sicht lohnt es sich also, in das altersgerechte Sanieren und Bauen zu investieren. Allein schon durch die Einsparung der Extrakosten für die Pflege im Pflegeheim kann sich eine seniorengerechte Sanierung in etwas mehr als zwei Jahren amortisieren.

Droht die graue Wohnungsnot?

Das Thema Wohnen im Alter darf nicht vernachlässigt werden, damit dieses Sozialthema nicht in die graue Wohnungsnot führt.

Der Sozialverband VdK Deutschland hat festgestellt, dass nur 5 % der Senioren bereits in altersgerechten Wohnungen leben. Fordern Alter und Krankheit ihren Tribut, bleibt alten und pflegebedürftigen Menschen entweder der barrierefreie Umbau oder ein Umzug. Der barrierefreie Umbau kostet, wie schon erwähnt, durchschnittlich 15.600 €. Von der Pflegekasse gibt es mit etwas Glück bis zu 4.000 € dazu. Dennoch haben immer weniger Senioren so viel Geld zur Verfügung, geschweige denn angespart. Dies zeigen die Zahlen der Fälle, in denen die Rente vom Staat aufgestockt werden muss.

Demnach werden viele Senioren und Rentner im Alter ihr Zuhause verlassen müssen, um in kleinere Wohnungen umzuziehen. Häufig finden sie jedoch keine kleinere Wohnung, die sie sich finanziell leisten können. Insbesondere in Ballungsräumen wie Großstädten sind Senioren nicht nur gezwungen, ihre Wohnung zu wechseln, sondern auch Stadt oder Gemeinde.

Das Pestel Institut schätzt, dass bis 2030 über drei Millionen altersgerechte Wohnungen umgebaut oder neugebaut werden müssten, damit eine graue Wohnungsnot in Deutschland verhindert werden kann. Statt bezahlbarer Mietwohnungen werden jedoch eher Baugenehmigungen für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser eingereicht.

Auch hier sollte darüber nachgedacht werden, dass sich Investitionen in barrierearme Wohnungen lohnen. Durch die Einsparung von Kosten durch die dann gegebene Möglichkeit, in den eigenen vier Wänden zu bleiben, wird das Gesundheitswesen entlastet. Stationäre Pflege ist, wie schon erwähnt, viel teurer.

Besorgniserregender Pflegeplatzmangel

Bulwiengesa gehört zu den größten unabhängigen Analyse- und Beratungsunternehmen für die deutsche Immobilienbranche. Schon gegen Ende des Jahres 2021 hat das Unternehmen Details aus einer Studie veröffentlicht, wonach bis zum Jahr 2040 etwa 168.000 Pflegeplätze fehlen werden.

Hierbei wird davon ausgegangen, dass bis 2040 jeder fünfte Einwohner in Deutschland das 65. Lebensjahr überschritten hat. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird von aktuell 4,1 Millionen auf 5,59 Millionen steigen. Im Moment werden etwa 20 % der Pflegebedürftigen in Pflege- und Altersheimen stationär versorgt, wobei bis 2040 von einem Anstieg auf 5,59 Millionen mit 1,39 Millionen Menschen in der stationären Pflege ausgegangen wird.

Die Errichtung von neuen Pflegeplätzen wird nicht mit der wachsenden Nachfrage nach stationären Unterbringungsmöglichkeiten Schritt halten können. Schon jetzt kämpfen nahezu alle Bundesländer mit überdurchschnittlich hohen Pflegequoten. Darüber hinaus müssen auch viele Pflegeheime saniert und modernisiert werden, um Pflegekapazitäten zu erhalten. Knapp 30 % der aktuell 15.400 Pflegeheime sind älter als 40 Jahre.

Alternativen für die Pflege zu Hause fördern

Kaum ein Ort ist mit so vielen positiven Gefühlen verbunden wie das eigene Zuhause. Das ehemalige Kinderzimmer mit den alten Spielzeugen vom Sohn, die liebevoll gepflegten Pflanzen im Garten oder der Lieblingsplatz des vielleicht schon vorverstorbenen Ehepartners – ein Zuhause ist immer mit vielen Erinnerungen verbunden. Es überrascht daher nicht, dass viele ältere Menschen ihre vertraute Umgebung nicht aufgeben möchten.

Mit alternativen Konzepten wie der 24 Stunden Betreuung wird versucht, sowohl den Pflegenotstand als auch den Pflegeplatzmangel abzumildern. Die 24 Stunden Betreuung ähnelt dabei der häuslichen Pflege mit dem Unterschied, dass die jeweils eingesetzte Pflege- und Betreuungskraft mit im zu betreuenden Haushalt lebt. Je nach individuellem Gesundheitszustand kann diese häusliche Betreuung jedoch auch nur dann stattfinden, wenn ein separater Raum zur Unterbringung der Pflegerin vorhanden ist und die örtlichen Gegebenheiten eine Pflege und Betreuung auch ermöglichen – also im Idealfall barrierefrei sind. Die 24 Stunden Betreuung bietet keine medizinische Fachpflege an, aber Leistungen im Bereich der Grundpflege, Hauswirtschaft und Betreuung.

Ein ambulanter Pflegedienst mit den notwendigen medizinischen Pflegeleistungen kann jedoch mit dem Betreuungskonzept kombiniert werden und hat schon viele Unterbringungen im Pflegeheim verhindern oder für eine lange Zeit hinauszögern können. Wichtig zu wissen ist auch, dass pflegende Angehörige eine starke Entlastung erfahren können.

Leider sind alternative Betreuungskonzepte wie dieses noch nicht ausreichend bekannt und werden auch nicht optimal von der Pflegeversicherung gefördert. Dies, obwohl immer wieder darauf hingewiesen wird, dass die häusliche Pflege deutlich mehr Unterstützung erhalten soll.

Wir hoffen, dass im Bereich der Pflege und Seniorenbetreuung möglichst kurzfristig Veränderungen herbeigeführt werden.

Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie gesund!

Ihr Team von

CareWork & SHD