Sterben im eigenen Zuhause

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Liebe Leserinnen und Leser!

Niemand beschäftigt sich gerne mit dem Tod. Über das Sterben wird nicht gerne gesprochen und jeder verdrängt den Gedanken an seine letzten Atemzüge. Wir leben alle mit dem Wunsch, dass wir selbst und alle unsere Lieben möglichst lange gesund und glücklich leben können. Das Sterben gehört jedoch zum Leben dazu und es ist wichtig, sich darüber Gedanken zu machen.

Im Rahmen der 24 Stunden Betreuung haben wir schon viele Menschen bis über den Tod hinaus begleitet. Der letzte Lebensabschnitt kann für Senioren, Pflegebedürftige und die Angehörigen aber auch etwas ganz Besonderes und sehr Friedvolles sein. Voraussetzung hierfür ist, dass sich alle mit dem Thema des Sterbens zu Hause auseinandersetzen.

Sterben in Deutschland

Trotz des medizinischen Fortschritts, der die Lebenserwartung des Menschen heute eindeutig verlängert hat, ist das Sterben noch immer unausweichlich. Etwas abgemildert wird dieser beängstigende Gedanke dann, wenn vorausschauend Informationen über alle Möglichkeiten eingeholt werden können.

Viele kranke und alte Menschen sterben in Krankenhäusern, Palliativkliniken, Pflegeheimen oder Hospizen. In diesen Einrichtungen werden Sterbende von Ärzten, Pflegepersonal und Seelsorgern betreut. Und dennoch treffen viele Senioren und Pflegebedürftige willentlich die Entscheidung, ihren Lebensabend zu Hause zu verbringen. Dieser Wunsch nach Geborgenheit in vertrauter Umgebung schließt in der Regel ein, dass sie auch zu Hause sterben möchten.

Pflegende Familienangehörige fühlen sich nicht selten von diesem Wunsch überfordert und ängstigen sich vor dem, was auf sie zukommt. Jedoch kann das Wissen rund um das Sterben sowie der Austausch mit dem Sterbenden die benötigte Sicherheit geben, diese schwierige Phase zu bewältigen. Zusätzlich leisten Palliativmediziner, ambulante Dienste und auch Betreuungskräfte aus der 24-Stunden-Betreuung ihren Beitrag dazu, den Familienangehörigen einen Teil der ungewöhnlich schweren Last von den Schultern zu nehmen.

Vorbereitende Information erleichtert Trauerarbeit

Wenn ein Mensch plötzlich aus dem Leben scheidet, sehen sich viele Angehörige nicht nur von ihrer eigenen Trauer überwältigt, sondern haben zusätzlich zahlreiche offene Fragen zu klären und wichtige Entscheidungen zu treffen. Umso wichtiger ist es, dass sich Familienangehörige und auch das Betreuungspersonal schon frühzeitig bemühen, die Wünsche und Erwartungen des alten oder kranken Pflegebedürftigen in Erfahrung zu bringen.

Erläutert werden sollte zunächst die Frage nach schriftlichen Bestimmungen des Pflegebedürftigen, was beispielsweise Vorhandensein und Aufenthaltsort von Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten, Testamenten, Stammbüchern, Bankvollmachen und anderen wichtigen Dokumenten betrifft. Sind diese Dokumente – und damit der Wille des Betroffenen – noch nicht erstellt, muss schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden. Da ein Großteil dieser Verfügungen nur dann erklärt werden darf, wenn aus psychischer und gesundheitlicher Sicht eine rechtliche Geschäftsfähigkeit attestiert werden kann, ist es für die Klärung dieser Angelegenheiten nie zu früh. Denn schließlich weiß niemand, was morgen passiert.

In diesem Rahmen lassen sich dann auch die Gespräche führen, die unmittelbar das Sterben und das Verhalten nach dem Tod betreffen. Wichtig ist dabei, die Wünsche des Pflegebedürftigen für die Sterbephase zu klären, was beispielsweise Besuche von Freunden, Verwandten oder religiösem Beistand beinhaltet. Aber auch der Ablauf der eigentlichen Sterbephase kann durch eine klärende Unterhaltung positiv beeinflusst werden. Die Schul- und Palliativmedizin sowie die Finalpflege bieten zahlreiche Möglichkeiten, dem Sterbenden den Weg zu erleichtern: ärztlich verordnete Medikamente nehmen Schmerzen, während pflegerische Maßnahmen für psychische und physische Entlastung sorgen können.

Die Involvierung von Palliativmedizinern und spezialisierten ambulanten Diensten entlastet nicht nur den Pflegebedürftigen, sondern auch dessen Familienangehörige und Betreuer. Angehörige wissen ihr Familienmitglied in kompetenten Händen und können sich den persönlichen Wünschen des Pflegebedürftigen nach Unterhaltung, Ablenkung und Verabschiedung widmen. Neben Schmerzfreiheit sind es insbesondere Bedürfnisse wie Nähe und Zuneigung von Familienmitgliedern und Betreuenden, wovon Sterbende profitieren.

Letzten Wunsch erfüllen

Für Sterbende, aber auch für Familienangehörige, ist es ungemein wichtig, die Versorgung und Behandlung nach Eintritt des Todes zu besprechen. So unangenehm diese Gespräche auch sein mögen, so notwendig sind sie für das Loslassen und die Trauerbewältigung.

Nach mehr als zehn Jahren Betreuungsarbeit in der 24 Stunden Betreuung wurden wir sowohl mit üblichen Wünschen als auch mit überraschenden Äußerungen Sterbender konfrontiert. Von der Zubereitung einer Lieblingsspeise über das Wiedersehen eines alten Freundes bis hin zu einem letzten Ausflug zum Meer ist es die Erfüllung von Herzenswünschen, die Sterbenden bei der Akzeptanz ihres nahenden Todes helfen und Angehörigen das wohltuende Gefühl geben, alles Menschenmögliche getan zu haben. Wurde ein letzter Wunsch durch die Angehörigen erfüllt, fällt ihnen das Loslassen leichter. Begleitet wird dies von schönen Erinnerungen an die Erfüllung dieser Wünsche.

Nicht selten betreffen diese Wünsche auch die Form der Beerdigung und damit zusammenhängende Details wie die Wahl des Bestatters, die zu tragende Kleidung oder die Ausrichtung der Beisetzung.

Liebevolle Betreuung bis zum letzten Tag

Nach unseren Erfahrungen haben viele alte und kranke Menschen große Angst, alleine zu sterben. Um diese Ängste nehmen zu können, legen wir ein Hauptaugenmerk auf der entsprechenden Vorbereitung und Ausbildung unseres Betreuungs- und Pflegepersonals.

Dies beinhaltet insbesondere, die Anzeichen des Sterbens richtig zu deuten, um optimal auf Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche des Sterbenden und seiner Angehörigen eingehen zu können. Wenn ein Lebensweg zu Ende geht, geschieht dies nämlich nicht immer nach einem festgelegten Schema. Dennoch lassen sich aus Veränderungen im Verhalten des Pflegebedürftigen Rückschlüsse ziehen, dass sein Tod bevorstehen kann:

  • Das Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe steigt, während die körperliche Energie schwindet.
  • Das Interesse an Alltag und Umwelt lässt nach.
  • Der Pflegebedürftige wird unruhig.
  • Manchmal blühen Menschen kurz vor ihrem Tod noch einmal auf, sind agil, vom Kopf her klar und haben guten Appetit.
  • Der Pflegebedürftige hält die Augen vor Schwäche geschlossen; schläft aber nicht, sondern beschäftigt sich mental mit sich selbst. Dieses Verhalten wird übrigens „Rückschau halten“ genannt.
  • Die Stimme wird leiser und kraftloser, der Blick getrübt.
  • Nach dem Aufwachen wird die Umgebung nicht sofort erkannt, der Pflegebedürftige scheint „weit weg in einer anderen Welt“ zu sein.
  • Es machen sich Störungen des Bewusstseins bemerkbar.
  • Der Puls wird schwächer, aber schneller.
  • Die Körpertemperatur verringert sich; die Gliedmaßen fühlen sich kühl an.
  • Die Atemzüge werden schneller, flacher oder langsamer als sonst, wobei auch Unregelmäßigkeiten, Atempausen und Rasselgeräusche vorkommen.
  • Hunger und Durst lassen nach.
  • Es entsteht durch den geänderten Stoffwechsel ein eigenartiger Geruch im Zimmer.
  • Durch die Veränderung der Nierenfunktion wird weniger Urin abgesetzt, der dunkler wirkt und strenger riecht.

Bei der 24 Stunden Betreuung werden die Betreuungskräfte entsprechend sensibilisiert und angewiesen, flexibel auf die vorerwähnten Hinweise einzugehen, um dem Pflegebedürftigen seine verbliebene Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Betreuerinnen sorgen für angenehme Schlaf- und Ruhephasen inklusive einer bequemen Lagerung, bereiten die gewünschten Mahlzeiten sowie Getränke zu und helfen bei deren Einnahme. Noch wichtiger ist jedoch, dass jemand da ist. Hier geht es um das Zuhören, Trösten und Aufmerksamkeit widmen. Hierdurch kann nach unseren Erfahrungen der notwendige Halt und die erforderliche Geborgenheit gewährleistet werden.

Anzeichen dafür, dass sich das Ende nähert

Zusätzlich kann es hilfreich sein, die Anzeichen eines kurz bevorstehenden Todes richtig zu deuten, um auch in dieser Phase die Wünsche des Sterbenden und seiner Angehörigen zu berücksichtigen. Zu diesen Anzeichen gehören:

  • Eingefallene und tiefer liegende Augen, wobei der Blick in die Ferne gerichtet ist und die Pupillen weniger Reaktion auf Licht entfalten.
  • Das Offenstehen des Mundes wegen der erschlaffenden Muskulatur.
  • Die Veränderung des Teints in eine gräuliche Nuance; insbesondere rund um Nase und Mund.
  • Die Bildung von dunklen Hautflecken an Händen, Füßen und Körperunterseite.
  • Das Abschwächen des Pulses und die Zunahme von Atempausen.

Vielen Sterbenden kann angesehen werden, dass sie Ängste, Verzweiflung und Kämpfe hinter sich gelassen und ihren Frieden gefunden haben. Die Atmosphäre im Raum wirkt dann sehr friedlich, gelöst und ruhig.

Deshalb ist es so wichtig, durch Gespräche in Erfahrung zu bringen, in welchem Umfeld sterbenskranke Menschen ihre letzten Atemzüge machen möchten. Über die Frage nach dem „Wo?“ hinaus sollte auch geklärt werden, wer Gesellschaft leisten darf und soll.

Bis zum nächsten Mal und bleiben Sie wohlauf!

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